Ulrich
van Aaken

Festivals

Konzertkritik von Ulrich van Aaken, Main-Post, 3.4.1996

In schönster Partnerschaft

Das Klimov-Trio bei den Kissinger Klaviertagen

von Ulrich van Aaken

Wenn drei hochrangige Solisten, deren technisches und musikalisches Können über jeden Zweifel erhaben ist, zu kammermusikalischem Spiel zusammenfinden, dann kommt es manchmal zu künstlerischen Momenten, die noch lange in der Erinnerung wach bleiben.

Einen davon erlebten die Besucher des Kammermusikkonzertes mit dem Klimov-Trio im Rahmen der Bad Kissinger Klaviertage. Der Geiger Valery Klimov, ein international gefragter Solist und Professor für Violine an der Hochschule des Saarlandes, gründete zusammen mit dem Solocellisten Klaus Lindig und Robert Leonardy, ebenfalls Hochschuldozent in Saarbrücken für Klavier, das Klimov-Trio.

Schon die Eröffnung des Konzertes mit einem Spätwerk Beethovens, den »Kakadu«-Variationen, war kennzeichnend für den Musizierstil des Klimov-Trios: einfühlsam und zurückhaltend, ohne übersteigertes solistisches Profil in schönster kammermusikalischer Partnerschaft. Nach einer breit, um nicht zu sagen dramatisch angelegten Einleitung erwartet der Hörer alles andere als das volkstümlich burleske Thema des Liedes Ich bin der Schneider Kakadu« aus einem Singspiel von Wenzel Müller, das bei Beethoven von den drei Instrumenten gemeinsam vorgetragen wird: nicht ohne Augenzwinkern. als wollte das Klimov-Trio ankündigen, was sich mit dieser vermeintlichen Bagatelle alles anstellen läßt: Staccato-Triolen und Oktavbrechungen im Klavier, Imitationen und Figurenwerk in der Violine, die dann mit dem Cello einen humorvollen Dialog führt, bis sich das Klavier als beredter aber unaufdringlicher Gesprächspartner hinzugesellt.

Das »Trio Elegiaque« in d-Moll von Sergej Rachmaninow zog vom ersten Augenblick in seinen Bann. Über einem ostinaten Baßmotiv des Klaviers entwickelten Violine und Violoncello Motive einer dunklen, melancholischen Grundstimmung, auf der sich schwelgerisches Pathos ausbreitet. Das Spiel der beiden Streicher bestach durch das sichere Gespür für die dunklen, sonoren Klangfarben und die vollkommene Übereinstimmung.

Der Pianist begann den zweiten Satz mit einem nachdenklichen Thema. Der tiefe Ernst und die innere Ruhe seines Vortrags waren ebenso beeindruckend wie die Kantabilität seines Anschlags. Weit ausladende Klanglinien mit sparsamer aber um so eindringlicherer Melodik, die fast schon beschwörend wirkt, wechselten mit Ausbrüchen exaltierten Weltschmerzes und Aufhellungen durch harmonische Rückungen, um schließlich doch zu einer elegischen Grundstimmung zurückzukehren ohne das befreiende Licht erreicht zu haben.

Das Bemerkenswerte an der Interpretation dieses Trios war die Gleichberechtigung der Musiker, das vollkommen ebenbürtige Zusammenspiel auf höchstem Niveau, die gemeinsame Empfindung und Gestaltung.

Nach der Pause war es schwer, an die Gestaltung des russischen Trios anzuknüpfen. Man hörte im Klaviertrio H-Dur von Johannes Brahms sangliche Themen im Cello, virtuose Passagen in der Geige, ein schönes Unisono von Cello und Violine und auch Momente von Brillanz und farbiger Leuchtkraft beim Klavier, aber man hätte gut daran getan, diese Komposition hinter die Variationen von Beethoven zu setzen.

Für den herzlichen Beifall am Schluß des Konzertes bedankte sich das Klimov-Trio mit dem zweiten Satz aus einem Klaviertrio von D. Schostakowitsch, einem lebhaften, witzigen Furioso, das mit bogentechnischen Schwierigkeiten nur so gespickt war, und dem Ragtime »Der Entertainer«.



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